Ich bin kurz vor der Wende in Gera geboren, meine Eltern studierten beide Theologie. DDR-Aufarbeitung, die Nähe zu Leuten aus dem Neuen Forum aber auch die Rolle von Kirche für die Opposition in der DDR waren bei uns zu Hause vor diesem Hintergrund immer wichtige Themen.

Meine ersten Demos waren die gegen den Irakkrieg. Für mich war es das erste Mal auf der Straße stehen und wirklich wütend sein, weil so offensichtlich fatale politische Fehlentscheidungen getroffen wurden und gleichzeitig man selbst diese Entscheidung so wenig verhindern konnte – ein Gefühl, dass wir auch heute wieder angesichts der Klimakrise erleben. Parallel dazu habe ich früh in meiner eigenen Familie erlebt, wie viele Lücken unser Gesundheitssystem hat: Wer einmal zu Hause schwerkranke Angehörige pflegen musste, wer auf das ambulante Palliativ-Team gewartet hat während die Schmerzen unaushaltbar werden, wer erlebt hat, wie auch in unserem Gesundheitssystem Menschen monatelang mit der falschen Diagnose abgestempelt werden, der weiß, dass unser Gesundheitswesen besser werden muss. Für mich war es der Grund, Medizin und parallel dazu Molekularmedizin zu studieren und mich politisch für ein besseres Gesundheitswesen stark zu machen. So kam ich zur Grünen Jugend und zu Bündnis 90/Die Grünen – nicht unbedingt, weil es dort die beste Gesundheitspolitik gab, sondern weil es die einzige Partei war, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren konnte: weil sie nicht auf überkommene Energieträger wie Kohle setzte.

Ich konnte seitdem an vielen Stellen in der Partei an Veränderung mitwirken: Auf Bundesebene habe ich unsere aktuellen Positionen zur Hebammenversorgung und zum Umgang mit wissenschaftlicher, evidenzbasierter Medizin mitverhandelt, auf Landesebene durfte ich sowohl in Thüringen 2014 als auch in Sachsen 2019 die Koalitionsverträge zu den Themen Gesundheit, Pflege und Drogen mitverhandeln. Jetzt arbeite ich als Fachärztin in der Uniklinik Leipzig. Ich habe 2019 als Direktkandidatin im Leipziger Süden zur Landtagswahl kandidiert, weil ich bei dieser so wichtigen Wahl für den Erhalt einer demokratischen Mehrheit im Freistaat meinen Beitrag dazu leisten wollte; und ich habe mich auf Bundesebene erfolgreich dafür eingesetzt, dass die ostdeutschen Bündnisgrünen bei ihren Landtags-Wahlkämpfen deutlich besser unterstützt werden - das Video meiner Rede dazu auf der Bundesdelegiertenkonferenz könnt ihr hier sehen:

In den zehn Jahren, in denen ich Politik, gerade auch Gesundheitspolitik inzwischen mitgestalten durfte, habe ich gelernt, dass sich richtige Ideen nicht automatisch durchsetzen. Dass es immer wieder Menschen in den Verhandlungsrunden, den Parteitags-Debatte, den langen Telefonkonferenzen braucht, die bei Themen standfest bleiben aber auch tief genug in Themen drin sind, um gute von schlechten Argumenten unterscheiden zu können. Menschen, die neue Themen groß machen, auch wenn sie am Anfang niemand hören will, die sich auch für Themen einsetzen, die nicht viel Presse versprechen, dafür aber einen großen Unterschied für unsere Zukunft machen können.

In den kommenden Jahren wird Politik noch komplexer, noch schwieriger werden, sie muss jetzt schnell viele Krisen auf einmal lösen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass sich unsere guten Ideen, gerade in den Bereichen bessere Gesundheitspolitik, wissenschaftsbasierte Politik beim Klimaschutz und darüber hinaus und ein starker Fokus auf die Neuen Bundesländer in der neuen Bündnisgrünen Bundestagsfraktion durchsetzen. Dafür trete ich an.

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei Michael Freitag von der LIZ bedanken, dessen Bild ich auf dieser Seite nutzen darf.