Wenn man bei den Grünen eintritt, dann weiß man, dass man sich damit in ein Esoterik-freundliches Umfeld begibt. Ein Umfeld, in dem kruden Weltverschwörungs- und -errettungsfantasien teilweise größeres Verständnis entgegengebracht wird als anderswo. Schon nach wenigen Wochen merkt man, dass es zwei Sorten von Grünen gibt: Die, die Mitglied werden weil sie den Kampf für Homöopathie und oft auch gegen Impfungen ähnlich wichtig finden wie die Senkung der CO2-Emissionen. Auf der anderen Seite die, die trotz der in ihrer Omnipräsenz oft nur schwer erträglichen EsoterikfanatikerInnen bei den Grünen sind, weil ihnen all die anderen Themen zu wichtig sind und sie über das bisschen Esoterik schon irgendwie hinwegsehen können.

Esoterik bei den Grünen fällt seit jeher auf fruchtbaren Boden – das bekannteste und bei den Grünen am stärksten grassierende Beispiel ist das der Homöopathie. Aber auch die anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners in Form von demeter-Landbau bis Waldorfpädagogik, Technikphobie und auch die sehr gefährliche Impfkritik finden bei den Grünen zuverlässig politische FürsprecherInnen und DurchsetzerInnen. Ohne die Grünen und die durch sie initiierten Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen wäre es heute nicht möglich, dass gesetzliche Krankenversicherer Methoden wie Homöopathie und “Eigenharntherapie” auf Kosten der Solidargemeinschaft erstatten dürfen, entgegen aller wissenschaftlichen Unwirksamkeitsnachweise.

Es ist an anderer Stelle schon vielfach und sehr gut dargestellt worden, warum die Wirksamkeit z.B. von Homöopathie abschließend ausgeschlossen werden kann, u.a. im exzellenten “Programm Evaluation Komplementärmedizin” des schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit. Wenn man es jedoch wagt als Grüne, innerhalb der Grünen, mit Anträgen oder Beschlüssen die grüne Förderung der Homöopathie zu kritisieren, schlägt einem das  Unverständnis einer sich plötzlich aufbauenden Front von Homöopathiefans sehr kalt ins Gesicht. Man muss sich sofort als “SchulmedizinerIn” und als “VerbündeteR der Pharmaindustrie” beschimpfen lassen. Führende Bundestagsabgeordnete fragen, warum man so “fanatisch” gegen Homöopathie agiere, und erzählen Geschichten von der eigenen Stuhlgangtherapie.

Es ist nicht so, als ob es keine positiven Anzeichen für eine vorsichtige Wandlung der Grünen hin zu einer aufgeklärteren Partei gäbe – die vergangene Bundesdelegiertenkonferenz ging beispielsweise konform mit Steffi Lemkes Aussage, dass der “allgemeine Zugang zu AlternativmedizinerInnen” keine zentrale Frage für das Bundestagswahlprogramm darstelle. Es war auch die gleiche Bundesdelegiertenkonferenz die anschließend beschloss, dass grüne Gesundheitspolitik sich nicht mehr als primär “ganzheitlich”, sondern “ortsnah und bedarfsgerecht” versteht. Aber auch im dort beschlossenen Wahlprogramm für die kommende Bundestagswahl werden wieder öffentliche Forschungsgelder für “Alternativmedizin” gefordert, und die Entwicklung solcher Forschungsmethoden, die die “Wirksamkeit” von Alternativmedizin nachweisen könnten. Wenn “herkömmliche” Wissenschaft keine Wirksamkeit zeigen kann, muss eben auch gleich eine neue, passend gemachte Wissenschaft her. Das ist leider grüne Logik im aktuellen Wahlprogramm:

“Es sind geeignete Methoden zum Wirksamkeitsnachweis für die Komplementärmedizin als auch andere medizinische Bereiche (z.B. Physio- oder Psychotherapie) zu entwickeln. Dafür sind öffentliche Forschungsgelder zur Verfügung zu stellen.”

Die gesamte Wissenschaftsfeindlichkeit großer und meinungsbildender Teile der Grünen verdichtet sich beispielhaft in einer Figur: Barbara Steffens, erste grüne Gesundheitsministerin auf Landesebene.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=wrPNSDTAbXA?rel=0]

Es ist peinlich in einer Partei Mitglied zu sein, deren erste Landes-Gesundheitsministerin in wöchentlichen Abständen WissenschaftlerInnen in ihrer Gesamtheit als “anmaßend” beschimpft, auf der anderen Seite aber Sitze für Homöopathie-QuacksalverInnen in den zentralen Gremien der Gesundheitspolitik wie dem Gemeinsamen Bundesausschuss fordert und dafür von keineR einzigen führenden Grünen öffentlich zur Rechenschaft gezogen wird.

Denn: Eine grüne Partei, die ganz offen Wissenschaft verhöhnt macht sich mitverantwortlich an der Verdummung der Gesellschaft. Sie beteiligt sich daran knappe Ressourcen zu verschwenden und den Ruf von WissenschaftlerInnen fahrlässig zu beschädigen. Sie verhindert damit den gesellschaftlichen Fortschritt, als dessen Wegbereiterin sie sich selbst so gern rühmt.